Gebäudeansicht der ASB-Kreisgeschäftsstelle in Rehburg-Loccum an der Nienburger Straße 40
Für andere da zu sein, ist immer ein Gewinn.

Das Helfen liegt ihr im Blut

Alles begann mit einer Ablehnung. Als Lena Rischmüller sich 2020 beim ASB-Kreisverband Nienburg für eine Ausbildungsstelle zur Notfallsanitäterin bewirbt, erhält sie eine Absage. Die Begründung von Jens Sewohl lautet: „Die anderen Bewerber haben einfach mehr überzeugt.“ Aber der Geschäftsführer erkennt das Potential der 19-jährigen und bietet ihr ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an. Lena greift zu. Heute, zwei Jahre später, hat sie nicht nur viele wertvolle Erfahrungen, sondern auch den begehrten Ausbildungsvertrag ab August 2022 in der Tasche. Darüber hinaus konnte sie – ganz ohne Blaulichteinsatz – vielleicht bereits ein Leben retten: Durch eine Stammzellenspende.

Lena Rischmüller bei ihrer Stammzellspende: "Ich hoffe, dass sie wieder gesund wird."

Lena Rischmüller weiß schon seit über 6 Jahren, dass sie Notfallsanitäterin werden will. „Das Helfersyndrom liegt bei uns in der Familie: Meine Mutter ist Krankenschwester und ich bin schon lange in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv“, sagt sie.

Nach dem Realschulabschluss macht sie erfolgreich ihr Abitur für Gesundheit und Soziales. Anschließend bewirbt sich Lena bei der Bundeswehr. Sie erinnert sich: „Das Risiko in einen gefährlichen Auslandseinsatz zu müssen, habe ich ausgeblendet.“ Doch für ihre Karriere beim Militär muss sie sich auf 10 Jahre verpflichten und außerdem wollte sie immer gern in Heimatnähe bleiben.

FSJ als Chance

Von Feuerwehrkamerad und ASB-Azubi Till Scheibner erfährt Lena Näheres über die Ausbildung beim ASB und bewirbt sich. „Als die Absage kam, war ich schon sehr enttäuscht“, weiß sie noch. Das Angebot für das Freiwillige Soziale Jahr habe sie dann aber als Chance gesehen, um einfach mal in das Berufsfeld hineinzuschnuppern.

Wenn Lena jetzt auf das letzte Jahr zurückschaut, ist sie überzeugt, dass sie alles richtig gemacht hat; nicht nur für sich selbst, sondern auch mit Blick auf die Umstände. „Ich glaube ich habe aus der Corona-Zeit das Beste für mich herausgeholt“, sinniert sie.  So konnte sie im Rahmen des FSJ erste medizinische Grundausbildungen durchlaufen, Einblicke in viele andere Bereiche beim ASB und in das Arbeitsleben gewinnen. Die Fachausbildung zur Erste-Hilfe-Ausbilderin, die aktive Mitarbeit im Sanitätsdienst und in der Schnell-Einsatz-Gruppe, Dienste in den ASB-Testzentren und beim Impfen, Praktika im Rettungsdienst, die pädagogischen Seminare im Rahmen des FSJ, das sind nur einige Erfahrungen, die ihr keiner mehr nehmen kann.

„Ich habe alles aufgesaugt, was sich geboten hat und bin viel selbstbewusster geworden, aber vor allem bin ich mir jetzt absolut sicher die perfekte Berufswahl getroffen zu haben“, freut sich Lena Rischmüller. Jetzt ist sie sehr aufgeregt, denn am 1. August geht sie endlich los: Ihre Wunschausbildung zur Notfallsanitäterin; und das beim ASB, wo sie praktisch schon jetzt zur Familie gehört und wo sie weiß, an wen sie sich wenden kann, wenn sie einmal Hilfe braucht.

Am 1. August geht es endlich los: Dann gehört Lena zum Rettunsdienst-Team

Schon mit 17 Jahren registriert

Einen persönlichen Höhepunkt gab es für Lena Rischmüller aber noch Anfang dieses Jahres. Sie wurde als passende Stammzellspenderin für eine junge, an Leukämie erkrankte Frau in den USA identifiziert. „Ich habe mich schon mit 17 bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert, als wir in der Schule über das Thema gesprochen hatten“, sagt Lena. Nachdem ihre Großeltern an Krebs verstarben, sei die Krankheit auch in ihrer Familie präsent gewesen und wenn man da was tun könne, warum nicht, meint sie.

Über das Internet hat sie sich das kostenlose Typisierungsset bei der DKMS angefordert, den Abstrich zu Hause durchgeführt und wieder zurückgeschickt. „Das ist alles viel einfacher geworden und es ist längst keine Blutentnahme mehr nötig“, sagt Lena. Inzwischen weiß sie auch: „Der Abstich ist nicht mal so unangenehm wie ein Corona-Schnelltest.“

Danach hatte sie das Thema aus den Augen verloren.

Erinnert wurde Lena erst, als im April der Anruf von der DKMS kam. Sie erfuhr, dass sie in die engere Wahl für eine Stammzellspende komme. „Ich war ganz schön überrascht, denn die Suche nach dem so genannten genetischen Zwilling ist ja wie die nach der Nadel im Heuhaufen“, erzählt sie.

Stammzellenspende

Dann ging alles schnell. Lena erhielt per Post ein weiteres Testset für eine Blutabnahme, die sie bei ihrem Hausarzt durchführen lassen konnte. 5 Tage später bestätigte das Labor, dass sie die passende Spenderin ist und zwei Wochen nach dem ersten Anruf fand bereits eine umfangreiche eintägige Voruntersuchung in der DKMS-eigenen Klinik in Köln statt; weitere zwei Wochen später dann der Spendertag wiederum in der DKMS-Klinik. „Es gibt zwei Möglichkeiten für die Gewinnung der Stammzellen“, erzählt Lena. „Eine davon kann man sich so ähnlich vorstellen wie eine Dialyse.“ Dabei wird das Blut aus einer Vene entnommen. Die Stammzellen werden herausgelöst und in einen weiteren venösen Zugang fließt das Blut wieder in den Körper zurück. Bei diesem Verfahren, wie Lena es erlebt hat, ist der Spender die gesamte Zeit wach.
Eine weitere Möglichkeit ist die Entnahme aus dem Knochenmark. Diese erfolgt unter Vollnarkose. „Auch wenn ich froh war, dass bei mir die erste Möglichkeit der Entnahme in Betracht kam, ich hätte auch einer Narkose zugestimmt“ ist sich Lena sicher. Während des gesamten Ablaufs gab es viele Telefonate und Absprachen zwischen Lena und ihrer persönlichen Ansprechpartnerin bei der DKMS. „Sie haben mich immer wieder gefragt, ob ich wirklich zu einer Spende bereit bin und erklärt, dass ich jederzeit – auch kurz vor der Entnahme noch – zurücktreten kann“, berichtet sie. Die Betreuung sei außerordentlich gut gewesen und die DKMS habe alle Kosten übernommen, mit Ausnahme der, die man ausdrücklich selbst tragen möchte, so Lena.

Auf die Frage, wie sie sich heute fühlt, sagt sie: „Einerseits ist das voll cool, dass ich helfen konnte und ich hoffe, dass die Frau gesund wird.“ Andererseits bedeute die Tatsache, dass sie zu Spenderin geworden ist, dass es irgendwo auf der anderen Seite der Welt eine junge Frau gibt, der es gerade sehr schlecht geht und die mit ihrer Familie um Ihr Leben kämpft, meint sie nachdenklich. Ob ihre Empfängerin gesund wird, erfährt sie aber nur, wenn diese sich frühestens 2 Jahre nach der Spende Lenas Kontaktdaten bei der DKMS anfordert und ihrerseits Kontakt aufnimmt. „Das sind die Vorgaben bei einer Stammzellenspende, um die Erkrankten und ihre Familien zu schützen.“

Bald wieder Sport treiben

Körperlich fühlt sich Lena schon wieder voll fit und freut sich darauf bald wieder Sport treiben zu dürfen, den sie als Ausgleich braucht. Das ist aus medizinischen Gründen in den ersten Wochen nach der Spende nicht angeraten. „Mein Köper ist ja praktisch unter Hochleistung, um neue Stammzellen in meinem Blut zu produzieren“, erklärt sie.

Als Stammzellspenderin ist Lena für die nächsten zwei Jahre gesperrt, und zwar für Ihre Stammzellenempfängerin. „Wenn die junge Frau noch einmal Stammzellen braucht, dann würde mich das DKMS wieder anrufen“, sagt sie. Und natürlich wäre Lena auch dann wieder bereit zu spenden, denn Helfen liegt ihr – im wahrsten Sinne des Wortes – im Blut.

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