Fortbildung: Erste Hilfe für die Seele bei Kindern und Jugendlichen

Wenn Kinder und Jugendliche im Rahmen von Notfällen oder bei Großschadensfällen zu Betroffenen werden, ist das eine besondere Situation.

Kinder und Jugendliche erleben Gefahren und Schadenslagen anders als Erwachsene. Ihre Bedürfnisse sind je nach Alter und Entwicklungsstand ganz unterschiedlich.

Heranwachsende brauchen schnell und individuelle Unterstützung

„Heranwachsende sind seelisch sehr verwundbar und brauchen deshalb eine ganz individuelle Unterstützung; möglichst unmittelbar in der Notfallsituation", erzählt Rettungsassistent Friedrich Drees von der ASB-Rettungswache in Hoya. Welche Methoden und Möglichkeiten es dazu gibt und woran ein Helfer denken muss, lernte der 28jährige am vergangenen Wochenende in Barsinghausen.

Fortbildung durch erfahrene Spezialisten

Beim ASB-Schwesterverband Hannover-Land/Schaumburg fand ein Seminar zu der so genannten Psychosozialen Notfallvorsorge (PSNV) mit dem Themenschwerpunkt „Kinder und Jugendliche in belastenden Situationen" unter der Leitung von Jörg Brockhoff statt. Brockhoff ist Ehrenamtsleiter am ASB-Stützpunkt in Bückeburg und engagiert sich gemeinsam mit seiner Frau seit vielen Jahren im Bereich der Krisenintervention. (Erst im Januar hatten beide einen Lehrgang zum Thema „Psychosoziales Krisenmanagement für Menschen mit Behinderung" an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Neunahr-Ahrweiler abgeschlossen.)

Aufbau eines verbandsübergreifenden Netzwerks geplant

Am Sonntag wurden nun die besonderen Belastungen und möglichen Symptome von Kindern, die Situation der Einsatzkräfte im Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen und die Thematisierung von Tod im Gespräch mit Kindern bearbeitet.

Darüber hinaus stand die Veranstaltung ganz im Zeichen eines Netzwerkaufbaus. So setzte sich die Teilnehmergruppe aus Einsatzkräften des ASB, des DRK und der Diakonie zusammen. „Nur gemeinsam können wir in einer großen Notsituation allen Beteiligten helfen", begründete Jörg Brockhoff seinen Einladungsverteiler. Das zeigte sich auch in der abschließenden Einsatzübung, bei der ein schwerer Schulbusunfall nachgespielt wurde.

Jens Sewohl begrüßt Qualifizierung

Für Friedrich Drees ist klar, dass er sich in diesem Bereich in Zukunft noch weiter qualifizieren möchte. Das begrüßte auch ASB-Geschäftsführer Jens Sewohl. „Das Krisenmanagement spielt bei komplexen Gefahren eine wachsende Rolle. Daher freuen wir uns sehr, wenn sich unsere Mitarbeiter hier fortbilden."

Vorsorge für Einsatzkräfte beim ASB etabliert

Ein Sektor der Psychosozialen Notfallvorsorge, die Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen (SbE®), ist beim ASB-Kreisverband seit mehreren Jahren ein etabliertes Konzept. Diese richtet sich allerdings ausschließlich an Einsatzkräfte und umfasst die Nachsorge von belastenden Einsätzen im Rettungsdienst. „Die Kompetenzerweiterung setzt die SbE lückenlos fort und ist eine willkommene Erweiterung unseres Know-Hows", so Sewohl.